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Das Ommaya-Reservoir: Ein innovativer Ansatz zur Behandlung von Hirntumoren

April 8, 2026
Shimon Slavin
Ommaya Reservoir for brain cancer

Für Patienten mit Hirntumoren eröffnen innovative Behandlungsmethoden neue Hoffnung. Das Ommaya-Reservoir ist ein Kathetersystem zur gezielten Verabreichung therapeutischer Wirkstoffe direkt in das Gehirn oder den Liquor cerebrospinalis und hat sich zu einem wichtigen Instrument in der Behandlung von Hirntumoren entwickelt.

 

Erstmals 1963 vom Neurochirurgen Ayub Ommaya beschrieben, hat er sich von einem experimentellen Behandlungsansatz zu einem anerkannten Standard der Neuroonkologie entwickelt. Bei Biotherapy International wird das Ommaya-Reservoir im Rahmen individuell abgestimmter Behandlungsprotokolle für die lokale Therapie eingesetzt, um den antitumoralen Effekt zu verstärken und das Rückfallrisiko zu senken.

Was ist ein Ommaya-Reservoir?

Das Ommaya-Reservoir ist ein kleines, kuppelförmiges Reservoir, das chirurgisch unter die Kopfhaut implantiert wird. Es ist mit einem Katheter verbunden, der direkt in das Ventrikelsystem des Gehirns führt und so die direkte Verabreichung therapeutischer Wirkstoffe ermöglicht. Es ist etwa so groß wie eine Münze, damit unter der Kopfhaut kaum sichtbar und schränkt die Patienten in alltäglichen Aktivitäten nicht ein.

Wofür wird das Ommaya-Reservoir eingesetzt?

Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) verhindert häufig, dass Medikamente wirksam zum Tumor gelangen.

Laut Pardridge WM (Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism, 2012) sind mehr als 98 % der Medikamente nicht in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke wirksam zu überwinden.

Das Ommaya-Reservoir überwindet diese Barriere, indem es die direkte Verabreichung der Therapie in den Tumorhöhle ermöglicht. Dieser Ansatz ist besonders wichtig bei aggressiven Tumorformen wie dem Glioblastom und dem anaplastischen Astrozytom, bei denen die Wirksamkeit der systemischen Behandlung häufig begrenzt ist.

Implantation und Sicherheit

Die Implantation des Ommaya-Reservoirs ist ein chirurgischer Eingriff, der unter Vollnarkose durchgeführt wird. Der typische Ablauf sieht wie folgt aus:

  1. Vorbereitung: Der Patient erhält eine Vollnarkose, damit während des Eingriffs keine Schmerzen auftreten.
  2. Schnitt: Ein kleiner Schnitt wird in der Kopfhaut vorgenommen und ein Loch in den Schädel gebohrt.
  3. Platzierung: Das kuppelförmige Reservoir mit einer punktierbaren Membran wird unter die Kopfhaut gelegt, und der Katheter wird sorgfältig durch das Loch in das Ventrikelsystem des Gehirns oder direkt in die Lokalisation des Tumors geführt, je nach klinischer Situation.
  4. Befestigung: Das Reservoir wird gesichert und der Schnitt mit Nähten verschlossen.

Der gesamte Eingriff dauert in der Regel 1 bis 2 Stunden. Die meisten Patienten verbringen eine Nacht im Krankenhaus und werden am nächsten Tag entlassen.

Der Eingriff gilt als sicher, birgt jedoch wie jede Operation bestimmte Risiken, darunter Infektionen, Blutungen oder Schäden am umliegenden Hirngewebe. Nach der Operation können Patienten in der Regel am nächsten Tag in ihren Alltag zurückkehren, sollten jedoch in den ersten sechs Wochen nach dem Eingriff Kontaktsportarten vermeiden.

Ist das Reservoir einmal platziert, dauert die Medikamentengabe nur wenige Minuten. Der Arzt punktiert die Membran durch die Haut mit einer feinen Nadel. Dies ist ein ambulanter Eingriff, der keinen Krankenhausaufenthalt erfordert.

Moderne Ansätze der lokalen Immuntherapie

Onkolytische Viren sind Viren, die Krebszellen infizieren und abtöten können, ohne dabei gesunde Zellen zu schädigen. Durch die direkte Injektion dieser Viren in den Hirntumor über das Ommaya-Reservoir kann der Tumor in eine Art Krebsimpfstoff im Körper verwandelt werden. So können die Immunzellen die Tumorantigene wieder erkennen, eine Funktion, die im Verlauf der Krebsentwicklung und -progression verloren geht.

Eine weitere Behandlungsmethode, die im Rahmen fortgeschrittener zellulärer Immuntherapieansätze erforscht wird, ist die ATACK-Methode (Allogene gezielte aktivierte Krebs-Killerzellen). Dabei werden bewusst nicht übereinstimmende Spenderlymphozyten eingesetzt, darunter T-Zellen, NK-Zellen und NKT-Zellen, die bevorzugt gegen Krebszellen gerichtet sind. Diese absichtlich inkompatiblen Spenderlymphozyten lösen eine abstoßungsähnliche Reaktion aus und zerstören so Krebszellen, die gegen andere Behandlungen resistent sein könnten.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Implantation schmerzhaft?

Nein. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose, sodass der Patient während der Operation keine Schmerzen verspürt. Leichte Beschwerden nach dem Eingriff klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab.

Ist das Gerät von außen sichtbar?

Das Reservoir liegt unter der Haut. Es kann beim Berühren ertastet werden, ist aber kaum sichtbar.

Ist eine MRT mit einem Ommaya-Reservoir möglich?

Ja. Das Reservoir ist MRT-kompatibel, sodass die routinemäßige Tumorüberwachung ohne Unterbrechung fortgesetzt werden kann.

Wie lange verbleibt das Reservoir im Körper?
Das Reservoir verbleibt für die gesamte Behandlungsdauer im Körper. Nach Abschluss der Therapie kann es entfernt oder belassen werden.

Fazit

Das Ommaya-Reservoir eröffnet in Kombination mit modernen Behandlungsmethoden neue Möglichkeiten in der Therapie von Hirntumoren, insbesondere bei Glioblastom und anaplastischem Astrozytom, durch die gezielte Verabreichung der Therapie direkt in die Tumorregion. Bei Biotherapy International wird dieser Ansatz im Rahmen individuell abgestimmter Protokolle eingesetzt, die auf die klinische Situation jedes Patienten zugeschnitten sind.

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