Hirntumoren gehören zu den malignen Erkrankungen, die am schwierigsten zu behandeln sind. Eine der Hauptursachen ist die Blut-Hirn-Schranke, welche das Eindringen der meisten Medikamente in das Gehirn verhindert sowie das hohe Risiko eines Rückfalls selbst nach intensiver Therapie.
Die Immuntherapie bei Hirntumoren zielt darauf ab, das Immunsystem zu aktivieren, damit es Krebszellen erkennt und zerstört, die nach einer Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie im Körper verbleiben können.
Bei Biotherapy International entwickeln wir individualisierte Immuntherapieprotokolle für Patienten mit Hirntumoren – insbesondere nach operativen Eingriffen und bei Rezidiven, wenn die Möglichkeiten der Standardtbehandlung häufig begrenzt sind.
Was ist ein Hirntumor?
Hirntumore umfassen eine Gruppe bösartiger Tumoren, welche das Gehirn betreffen. Diese heterogene Menge von Erkrankungen können sich hinsichtlich Krankheitsverlauf, Therapieansprechen und Rückfallrisiko deutlich unterscheiden.
Primäre und metastatische Hirntumore
Primäre Hirntumore entstehen direkt im Hirngewebe und umfassen unter anderem Glioblastome, Astrozytome und andere hochgradige Gliome.
Metastatische Hirntumoren entstehen, wenn Krebszellen aus anderen Organen in das Gehirn streuen.
Warum sind Hirntumore schwer zu behandeln?
Die Behandlung von Hirntumoren ist besonders herausfordernd, da die Blut-Hirn-Schranke das Eindringen der meisten systemischen Therapien in das Hirngewebe verhindert oder stark begrenzt. Darüber hinaus können selbst nach scheinbar vollständiger Tumorentfernung noch maligne Zellen verbleiben, die mit modernen bildgebenden Verfahren nicht nachweisbar sind und das Rückfallrisiko deutlich erhöhen.
Minimale Resterkrankung (MRD)
Die minimale Resterkrankung bezeichnet Krebszellen, die nach einer Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie im Körper verbleiben, jedoch in MRT- oder PET-CT-Untersuchungen nicht sichtbar sind, da es sich um zu kleine Ansammlungen von bösartigen Zellen handelt. MRD gilt als eine der Hauptursachen für Rezidive und stellt ein zentrales Ziel der Immuntherapie dar.
Grenzen der Standardtherapie bei Hirntumoren
Operation
Die chirurgische Entfernung des Tumors ist eine der wichtigsten Behandlungsformen bei Hirntumoren. Eine vollständige Resektion ist jedoch oftmals nicht möglich, da sich der Tumor in der Nähe lebensnotwendiger Hirnstrukturen befindet. Wiederholte Operationen bei einem Rezidiv erhöhen zudem das Risiko neurologischer Komplikationen und können die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigen.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird häufig eingesetzt, um das Tumorwachstum zu kontrollieren und die Tumorgröße zu reduzieren. Gleichzeitig schädigt sie jedoch auch umgebendes gesundes Hirngewebe sowie beispielsweise die Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich trotz moderner Geräte. Selbst nach Abschluss einer Strahlentherapie können Krebszellen verbleiben, die zu einem Rezidiv führen.
Chemotherapie
Die Wirksamkeit der Chemotherapie bei Hirntumoren ist dadurch begrenzt, dass viele Medikamente die Blut-Hirn-Schranke nur unzureichend überwinden. Zudem zeigen Glioblastome mit nicht-methyliertem MGMT-Promotor häufig ein schlechteres Ansprechen gegenüber Temozolomid. Die Chemotherapie kann außerdem das Immunsystem generell schwächen und die Fähigkeit des Körpers zur Krankheitskontrolle verringern.
Warum wird Immuntherapie bei Hirntumoren eingesetzt?
Die Immuntherapie bei Hirntumoren wird vor allem dann in Betracht gezogen, wenn Standardtherapien nicht alle malignen Zellen beseitigen können.
Nach Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie können verbleibende Krebszellen unentdeckt bleiben und zu einem Rezidiv auch mit einigem Zeitabstand führen.
Die Immuntherapie zielt darauf ab, diese verbleibenden und therapieresistenten Zellen anzugreifen, indem sie die Immunerkennung von tumorspezifischen Merkmalen unterstützt.
Einige Ansätze von Immuntherapien wirken lokal im Gehirn oder umgehen teilweise die Blut-Hirn-Schranke, welche die Wirksamkeit vieler systemisch verabreichter Medikamente einschränkt.
Aus diesem Grund wird Immuntherapie häufig nach einer Tumorreduktion oder bei rezidivierender Erkrankung als Teil einer individualisierten Behandlungsstrategie eingesetzt.
Immuntherapieansätze bei Hirntumoren
Unser Behandlungsprogramm für Hirntumoren kombiniert mehrere Methoden der Immuntherapie, welche gemeinsam angewendet werden und sich gegenseitig ergänzen. Dieser Ansatz kommt insbesondere dann in Frage, wenn die Erkrankung gegenüber Standardtherapien resistent ist oder ein hohes Rückfallrisiko besteht.
Alle Behandlungsprotokolle werden individuell angepasst und basieren auf langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit Hirntumoren.
Therapie mit onkolytischen Viren
Onkolytische Viren sind speziell entwickelte Virusstämme, die selektiv maligne Zellen des Hirntumors infizieren und zerstören, während gesundes Gewebe weitgehend geschont wird.
Wie onkolytische Viren wirken
Die Wirkung onkolytischer Viren beruht auf mehreren sich ergänzenden Mechanismen. Während der Behandlung:
- zerstören sie Krebszellen direkt durch virale Replikation innerhalb der malignen Zellen
- fördern sie die Freisetzung tumorspezifischer Signale, wodurch das Immunsystem zuvor unerkannte Krebszellen wieder als bösartig identifizieren kann
- wandeln sie immunologisch „kalte“ Tumoren in „heiße“ Tumoren um, die besser auf weitere Reaktionen des Immunsystems ansprechen
- schaffen sie ein lokales entzündliches Umfeld am Tumor, welches nachfolgende Immuntherapien unterstützen kann
Im Gegensatz zu klassischen systemischen Therapien wirken onkolytische Viren direkt im Mikromilieu des Tumors. Bei Hirntumoren ist dieser Ansatz besonders relevant, um verbleibende und oftmals therapieresistente Zellen nach Operation oder Bestrahlung zu bekämpfen.
Verabreichungswege onkolytischer Viren bei Hirntumoren
Je nach klinischer Situation und Tumorlokalisation können onkolytische Viren auf unterschiedliche Weise verabreicht werden:
- intravenöse Gabe
- intranasale Gabe (über die Nase)
- direkte intratumorale Verabreichung über ein Ommaya-Reservoir
Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren bei Hirntumor
Onkolytische Viren werden bei der Behandlung von Hirntumoren nicht nur zur direkten Zerstörung von Tumorzellen eingesetzt, sondern auch, um den Tumor für das Immunsystem „sichtbar“ zu machen. Durch die Zerstörung durch übermäßige Replikation in den Tumorzellen mit anschließender Freisetzung der Bestandteile der Zelle lösen die Viren eine Immunreaktion aus und helfen dem Körper, den Tumor wieder als Angriffsziel zu erkennen.
Nach Abschluss der viralen Therapie erkennt das Immunsystem bereits, womit es konfrontiert ist. Dennoch kann der Tumor Schutzmechanismen beibehalten, die eine vollständige Immunantwort wieder begrenzen.
Checkpoint-Inhibitoren kommen in der nächsten Behandlungsphase zum Einsatz. Ihre Aufgabe besteht darin, diese Schutzmechanismen zu blockieren und die „Bremsen“ zu lösen, welche das Immunsystem sowohl daran hindern, bereits erkannte Krebszellen zu zerstören, als auch bestehende Krebszellen korrekt als solche zu identifizieren.
Aus diesem Grund werden Checkpoint-Inhibitoren in der Regel nach der Therapie mit onkolytischen Viren eingesetzt und nicht gleichzeitig. Eine Pause zwischen den Behandlungsphasen ermöglicht es den Viren, ihre Wirkung im Tumor vollständig zu entfalten, ohne frühzeitig vom aktivierten Immunsystem eliminiert zu werden.
Diese Abfolge erlaubt es, zunächst einen Teil des Tumors zu zerstören und dem Immunsystem zu präsentieren und anschließend die antitumorale Antwort des Immunsystems gezielt zu verstärken und aufrechtzuerhalten.
Ommaya-Reservoir: Direkte Applikation ins Gehirn
Das Ommaya-Reservoir ist ein implantiertes Zugangssystem, welches die direkte Verabreichung therapeutischer Substanzen in das Gehirn oder in den Tumorbereich ermöglicht.
Diese Methode wird eingesetzt, wenn systemische Therapien durch die abschirmende Wirkung der Blut-Hirn-Schranke begrenzt sind und das Zielgewebe nicht zuverlässig erreichen können.
Warum das Ommaya-Reservoir bei Hirntumoren eingesetzt wird
Das Ommaya-Reservoir ermöglicht es:
- die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen und Therapien direkt an den Zielort zu bringen
- Medikamente direkt in die Tumorregion oder die postoperativ bestehendeHöhle zu applizieren
- wiederholte Behandlungen ohne zusätzliche chirurgische Eingriffe durchzuführen
Therapien über das Ommaya-Reservoir
Über das Ommaya-Reservoir können unter anderem verabreicht werden:
- onkolytische Viren
- zelluläre Immuntherapien, einschließlich der ATACK-Therapie (aktivierte Spenderlymphozyten)
- weitere therapeutische Substanzen im Rahmen eines individuellen Behandlungsprotokolls
Das Ommaya-Reservoir ist besonders sinnvoll nach operativer Tumorentfernung sowie in Situationen, in denen die Behandlung auf die minimale Resterkrankung nach Chemotherapie oder Strahlentherapie abzielt, um verbleibende Krebszellen gezielt zu eliminieren.
ATACK-Therapie: Behandlung mit Spenderlymphozyten bei Hirnkrebs
Die ATACK-Therapie ist eine Form der zellulären Immuntherapie, die eingesetzt wird, um verbliebene maligne Zellen zu beseitigen, vorzugsweise nachdem die Haupttumormasse bei Hirntumoren durch andere Behandlungsmethoden reduziert wurde.
Dabei werden speziell vorbereitete Spenderlymphozyten eingesetzt, die gezielt Krebszellen erkennen und zerstören.
Im Verlauf einer lang anhaltenden Erkrankung und nach vorausgegangenen Therapien werden die körpereigenen Immunzellen des Patienten häufig geschwächt und verlieren an Effektivität bei der Tumorkontrolle.
Spenderlymphozyten sind dieser Belastung nicht ausgesetzt und behalten daher eine höhere Aktivität, wodurch sie verbleibende Krebszellen effektiver angreifen können.
Die ATACK-Therapie wird in der Regel nach Reduktion der Tumormasse durch Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, onkolytische Virusbehandlung oder deren Kombination angewendet.
Dieser Ansatz ist besonders relevant:
- nach signifikanter Tumorreduktion durch Standardtherapien
- bei minimaler Resterkrankung (MRD), wenn maligne Zellen im Körper verbleiben, jedoch bildgebend nicht mehr nachweisbar sind
In diesen Situationen ermöglicht die ATACK-Therapie eine gezielte Eliminierung verbleibender Krebszellen und kann das Rückfallrisiko im Rahmen eines individualisierten Behandlungsplans senken.
Individuelles Behandlungsprotokoll
Jedes Immuntherapieprotokoll wird individuell in Anbetracht von Tumorerkrankung und Vorbehandlungen sowie den Behandlungswünschen und Vorerkrankungen des Patienten entwickelt.
Die Behandlung kann ausschließlich onkolytische Viren oder eine sequenzielle Kombination mit ATACK-Therapie umfassen.
Die Gestaltung des Protokolls hängt ab von:
- Tumortyp und molekularen Eigenschaften
- Tumorlokalisation
- Krankheitsstadium
- Vorhandensein residualer oder rezidivierender Erkrankung
Das Ziel besteht darin, die Behandlungsabfolge optimal an die klinische Situation des Patienten anzupassen.
Wann kann Immuntherapie bei Hirntumor empfohlen werden?
Ein individualisiertes Immuntherapieprotokoll kann für Patienten in Betracht gezogen werden, die:
- ein diagnostiziertes Glioblastom (WHO-Grad 4) haben
- an einem Astrozytom Grad III oder anderen hochgradigen Gliomen leiden
- Hirnmetastasen haben und zusätzliche Therapieoptionen benötigen
- nach einer Operation residuale Tumorreste aufweisen
- einen Krankheitsrückfall / Rezidiv ihrer Erkrankung erleiden
- Standardtherapien ausgeschöpft haben und nach weiteren Optionen suchen
Wie wir jeden Fall beurteilen
Die Vorabbeurteilung umfasst folgende Punkte:
- eine detaillierte Analyse aller bisherigen Therapien und deren Ergebnisse
- Auswertung von MRT-Bildern zur Beurteilung von Größe, Lage und Dynamik des Tumors
- Analyse verfügbarer Tumordaten, einschließlich Histologie und molekulargenetischer Profile / Marker
- Einschätzung des Allgemeinzustands des Patienten und der Reisefähigkeit
Wie die Behandlung durchgeführt wird
Nach einer Online-Konsultation und der Entwicklung eines individuellen Protokolls beginnt die umfassende Immuntherapie bei Hirnkrebs. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Partnerkliniken entweder in Deutschland oder Kasachstan und basiert auf der Kombination verschiedener Ansätze der Immuntherapie, darunter onkolytische Viren, zelluläre Immuntherapien, photodynamische Therapie (PDT) sowie weitere unterstützende immunmodulierende Verfahren, die sich gegenseitig ergänzen und untereinander verstärken.
Nach Abschluss der Hauptbehandlung bleibt der Patient unter ärztlicher Nachsorge in der Heimat. Die Krankheitsdynamik wird anhand von MRT-Untersuchungen überwacht, und weitere Therapieschritte können bei Bedarf angepasst werden.
Der gesamte Prozess wird von den behandelnden Ärzten koordiniert, um eine kontinuierliche Betreuung in jeder Phase sicherzustellen.
Internationale Patientenbetreuung
Wir unterstützen Patienten in allen Phasen der Behandlung von Hirntumoren im Ausland, einschließlich:
- Koordination mit Kliniken und Organisation der Behandlung
- Unterstützung bei Reisevorbereitungen und logistischen Fragen
- ärztliche Nachsorge per Telemedizin nach Rückkehr
- Kommunikation mit den behandelnden Ärzten vor Ort nach Bedarf
Was Patienten von der Behandlung erwarten können
Die Ergebnisse der Immuntherapie sind individuell und hängen vom Tumortyp, dem Krankheitsstadium und der gesamten klinischen Situation ab.
Mögliche Ziele der Immuntherapie bei Hirntumor sind:
- Krankheitskontrolle oder Stabilisierung
- Verlangsamung des Tumorwachstums
- Reduktion des Rückfallrisikos
- Erhalt der Lebensqualität
FAQ
- ein schriftlicher MRT-Befund (nicht älter als 3 Monate) sowie MRT-Bilder, falls verfügbar
- histologische Befunde, falls eine Biopsie oder Operation durchgeführt wurde
- molekulargenetische Testergebnisse, falls vorhanden
- bei eingeschränktem Allgemeinzustand kann ein kurzes Video (1–2 Minuten) erforderlich sein, das zeigt, wie der Patient geht, spricht und sich bewegt



