Das Glioblastom ist ein hochmaligner Hirntumor (WHO-Grad IV), der durch ein infiltratives Wachstum und ein hohes Rezidivrisiko gekennzeichnet ist. Standardbehandlungsmethoden gewährleisten häufig keine langfristige Krankheitskontrolle, was auf das Wachstumsmuster des Tumors, seine spezifische anatomische Lokalisation sowie auf die begrenzten Möglichkeiten der Wirkstoffverteilung von Chemotherapeutika in das Hirngewebe zurückzuführen sind. Die Immuntherapie wird in der Regel nach einer Operation oder bei Rezidiven als Teil einer individualisierten Behandlungsstrategie eingesetzt und kann onkolytische Viren, die Verabreichung von Therapien über ein Ommaya-Reservoir sowie die zelluläre ATACK-Immuntherapie umfassen.
Einschränkungen der standardmäßigen Behandlungen bei Glioblastom
Chirurgie
Die chirurgische Entfernung des Tumors stellt eine der zentralen Behandlungsphasen beim Glioblastom dar. Dennoch verbleiben selbst nach der Resektion der sichtbaren Tumormasse häufig maligne Zellen jenseits der chirurgischen Resektionsgrenzen, die durch standardmäßige bildgebende Verfahren nicht erfasst werden und in der Folge zu einem Krankheitsrezidiv führen können. Außerdem sind oftmals keine vollständigen Entfernungen des Tumors bei Nähe zu lebenswichtigen Zentren im Gehirn möglich. Wiederholte chirurgische Eingriffe sind mit einem erhöhten Risiko neurologischer Komplikationen verbunden und nicht in allen Fällen durchführbar.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird beim Glioblastom zur Kontrolle des Tumorwachstums eingesetzt und kann zu einer Reduktion des Tumorvolumens führen. Selbst bei Anwendung moderner und hochpräziser Bestrahlungstechniken wird jedoch zwangsläufig auch gesundes umliegendes Hirngewebe geschädigt. Darüber hinaus können Glioblastomzellen eine Resistenz gegen Strahlen entwickeln und so nach Abschluss der Behandlung persistieren, was zur Entstehung eines Rezidivs beiträgt.
Chemotherapie
Die Wirksamkeit der Chemotherapie beim Glioblastom ist durch die eingeschränkte Penetration vieler Wirkstoffe durch die Blut-Hirn-Schranke begrenzt. Zudem zeigen Glioblastome,insbesondere solche mit unmethyliertem MGMT-Promotor,häufig ein reduziertes Ansprechen gegenüber Temozolomid, was die langfristige Effektivität der standardmäßigen Chemotherapie weiter einschränkt.
Warum das Glioblastom schwer zu behandeln ist
Das Glioblastom spricht aufgrund einer Kombination mehrerer Faktoren nur begrenzt auf therapeutische Maßnahmen an. Tumorzellen infiltrieren diffus das Hirngewebe, einschließlich funktionell hoch relevanter Areale, wodurch eine vollständige chirurgische Entfernung häufig unmöglich wird, ohne zu schweren neurologischen Einschränkungen zu führen. Zusätzlich limitiert die Blut-Hirn-Schranke die Wirkung der meisten systemisch verabreichten Medikamente im Hirngewebe. Die Kombination dieser Faktoren, zusammen mit der hochmalignen biologischen Natur des Tumors, reduziert die Wirksamkeit standardmäßiger Behandlungsansätze erheblich.
Warum Immuntherapie beim Glioblastom eingesetzt wird
Standardbehandlungen zielen primär auf die Reduktion der Tumormasse ab und eliminieren in der Regel keine infiltrierenden Glioblastomzellen an den Resektionsrändern oder entlang der Bahnen der weißen Substanz. Eine langfristige Krankheitskontrolle erfordert allerdings therapeutische Strategien, die in der Lage sind, verbliebene Tumorzellen unter Einbeziehung des Immunsystems gezielt anzugreifen.
Die Immuntherapie beim Glioblastom wird nicht als Ersatz für etablierte Standardbehandlungen eingesetzt, sondern als ergänzende Strategie, die darauf abzielt, die bereits beschriebenen biologischen Limitationen von Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie zu überwinden. Sie ermöglicht die Aktivierung des Immunsystems zur Erkennung und Kontrolle von Tumorzellen, auch in anatomischen Regionen, die für lokale Therapieansätze schwer zugänglich sind. Einige der im Weiteren beschriebenen immuntherapeutischen Verfahren können direkt im Hirngewebe wirken oder die Blut-Hirn-Schranke zumindest teilweise umgehen.
Minimale Resterkrankung (MRD)
Die minimale Resterkrankung bezeichnet maligne Zellen, die nach einer Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie im Körper verbleiben, jedoch mittels MRT oder PET-CT nicht nachweisbar sind, da es sich um zu kleine Tumoransammlungen bis hin zu einzelnen Zellen handelt.
Der Zeitraum des Stadiums der minimalen Resterkrankung gilt als optimales klinisches Fenster für den Einsatz der Immuntherapie, da die Tumorlast gering und ein vergleichbares Ausmaß an Tumorreduktion zu einem späteren Zeitpunkt häufig nicht mehr erreichbar ist.
Methoden der Immuntherapie bei Glioblastom
Unser Behandlungsprogramm für das Glioblastom integriert mehrere immuntherapeutische Ansätze, die in Kombination eingesetzt werden und sich gegenseitig ergänzen. Diese Strategie wird nach Abschluss der Standardbehandlung sowie in Fällen eines Rezidivs in Betracht gezogen. Sämtliche Behandlungsprotokolle werden individuell entwickelt und basieren auf langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Erfahrung in der Behandlung aggressiver Hirntumoren.
Onkolytische Viren
Onkolytische Viren sind für den Menschen sichere Virusstämme, die gentechnisch so modifiziert wurden, dass sie selektiv maligne Zellen infizieren und zerstören, während gesunde Zellen weitestgehend unberührt bleiben. Ihre therapeutische Wirkung beruht auf mehreren komplementären Mechanismen. Während der Behandlung:
- zerstören onkolytische Viren die Glioblastomzellen direkt durch virale Replikation innerhalb der Tumorzellen, gefolgt von der Ausbreitung des Virus auf benachbarte maligne Zellen
- fördern sie die Freisetzung von Tumorantigenen, wodurch Krebszellen für das Immunsystem des Patienten wieder besser erkennbar werden
- wandeln sie immunologisch „kalte“ Glioblastom-Tumoren in einen immunologisch aktiven Zustand (“heiß”) um, wodurch die Immunantwort verstärkt wird
- erzeugen sie ein lokales entzündliches Tumormilieu, welches die Wirksamkeit nachfolgender immuntherapeutischer Ansätze verstärkt
Onkolytische Viren können beim Glioblastom abhängig von der klinischen Situation und der Tumorlokalisation über verschiedene Applikationswege verabreicht werden:
- intravenöse Applikation
- intranasale Applikation
- direkte intratumorale oder intrakavitäre Applikation über ein Ommaya-Reservoir
Checkpoint-Inhibitoren
Onkolytische Viren werden bei der Behandlung des Glioblastoms nicht ausschließlich zur direkten Zerstörung von Tumorzellen eingesetzt, sondern auch, um den Tumor für das Immunsystem sichtbar zu machen. Nach der viralen Therapie werden Tumorantigene präsentiert, was beim gesunden Menschen eine Immunantwort aktivieren würde. Die meisten Tumore schaffen jedoch eine Barriere aus Substanzen und Molekülen, die eine Aktivierung des Immunsystems am Tumorgewebe stark hemmt.
Checkpoint-Inhibitoren werden typischerweise in einer nachfolgenden Phase eingesetzt, um diese inhibitorischen Signale aufzuheben, die das Immunsystem daran hindern, eine effektive Reaktion gegen den Tumor zu entwickeln. Dieser sequenzielle Ansatz ermöglicht es den onkolytischen Viren, zunächst ihre Wirkung zu entfalten, bevor die Immunantwort gezielt verstärkt wird, ohne die Aktivität der Viren vorzeitig zu unterdrücken.
Anti-Krebs-Impfstoffe
Anti-Krebs-Impfstoffe stellen einen weiteren immuntherapeutischen Ansatz beim Glioblastom dar und zielen darauf ab, das Immunsystem des Patienten zur Erkennung von Tumorzellen zu schulen. Die Impfung induziert eine gezielte Immunantwort gegen tumorspezifische Antigene und unterstützt das Immunsystem dabei, maligne Zellen von gesundem Gewebe zu unterscheiden.
Jeder Impfstoff wird individuell für den jeweiligen Patienten hergestellt, wobei Tumormaterial verwendet wird, das während einer chirurgischen Resektion oder Biopsie gewonnen wurde. Dieser personalisierte Ansatz ermöglicht die Berücksichtigung der individuellen biologischen Eigenschaften des jeweiligen Tumors.
Ommaya-Reservoir: Direkte Applikation in das Glioblastom
Das Ommaya-Reservoir ist ein implantierbares Zugangssystem, welches die direkte Applikation therapeutischer Wirkstoffe in das Gehirn oder in die Tumorhöhle ermöglicht.
Dieser Ansatz ist insbesondere in klinischen Situationen relevant, in denen eine direkte gezielte Verabreichung von Medikamenten am Tumor erforderlich ist und systemische Behandlungsansätze unzureichend wirksam sind.
Das Ommaya-Reservoir ermöglicht:
- die Umgehung der Blut-Hirn-Schranke
- die direkte Verabreichung therapeutischer Substanzen in die postoperative Höhle
- wiederholte Applikationen ohne die Notwendigkeit zusätzlicher chirurgischer Eingriffe
Therapien, die über das Ommaya-Reservoir verabreicht werden können
- onkolytische Viren
- zelluläre ATACK-Immuntherapie
- weitere Wirkstoffe im Rahmen individualisierter Behandlungsprotokolle
ATACK-Therapie: Behandlung mit Spenderlymphozyten
Die ATACK-Therapie ist eine Form der zellulären Immuntherapie, die zur Eliminierung verbliebener maligner Zellen nach einer Tumorreduktion eingesetzt wird.
Die ATACK-Therapie nutzt aktivierte Spenderlymphozyten, die in der Lage sind, Krebszellen gezielt zu erkennen und zu zerstören. Bei Krebspatienten führen ein prolongierter Krankheitsverlauf sowie vorausgegangene Behandlungen häufig zu einer Erschöpfung des Immunsystems, wodurch dessen Effektivität bei der Erkennung und Zerstörung von Tumorzellen reduziert wird. Spenderlymphozyten weisen im Vergleich zu den körpereigenen Immunzellen eine höhere funktionelle Aktivität und Wirksamkeit auf. Die ATACK-Therapie wird typischerweise nach vorheriger maximaler Tumorreduktion eingesetzt, vorzugsweise während der Phase der minimalen Resterkrankung (MRD).
Für die individualisierte Auswahl der zellulären Immuntherapie empfehlen wir eine Testung des Tumorgewebes auf die Expression relevanter Antigene (HER2/neu, PD-L1, EGFR, VEGF, TROP-2, GD2, HIF-2α, c-KIT, PDGFR).
Individualisiertes Behandlungsprotokoll
Jedes Behandlungsprotokoll beim Glioblastom wird individuell entwickelt. Die Behandlung kann eine onkolytische Virustherapie allein oder in sequenzieller Kombination mit der ATACK-Therapie umfassen. Die Ausgestaltung des Protokolls basiert auf der Tumorbiologie, molekularen Eigenschaften sowie dem individuellen Rezidivrisiko und den Wünschen und dem Gesundheitszustand der Patienten.
In welchen Fällen kann Immuntherapie beim Glioblastom empfohlen werden?
Ein individualisiertes Immuntherapieprotokoll kann Patienten empfohlen werden, die:
- eine bestätigte Diagnose eines Glioblastoms (WHO-Grad IV) aufweisen
- nach einer Operation verbliebenes Tumorgewebe haben
- ein Rezidiv eines Glioblastoms erlitten haben
- standardmäßige Behandlungsoptionen ausgeschöpft worden sind
Wie wir jeden Fall bewerten
Die initiale Bewertung umfasst:
- eine detaillierte Analyse aller zuvor durchgeführten Behandlungen
- die Auswertung von MRT-Aufnahmen
- histologische und molekulare Befunde zum Tumor
- die Beurteilung des klinischen Zustands sowie der Durchführbarkeit einer Reise zur Behandlung
Wie verläuft die Glioblastom-Behandlung?
Nach einer Online-Konsultation und der Entwicklung eines individuellen Protokolls wird die umfassende Glioblastom-Immuntherapie in Partnerkliniken in Deutschland oder Kasachstan eingeleitet.
Die Behandlung kann eine onkolytische Virustherapie, ATACK-Therapie, photodynamische Therapie (PDT) sowie unterstützende immunmodulatorische Maßnahmen umfassen.
Die Verlaufskontrolle mittels MRT dient der Beurteilung des Therapieansprechens und der Planung weiterer therapeutischer Schritte.
Unterstützung für internationale Patienten
Wir begleiten Patienten in allen Phasen der Behandlung von Hirntumoren im Ausland, einschließlich:
- Koordination mit Kliniken und Behandlungsplanung
- Unterstützung bei Reisevorbereitungen und organisatorischen Abläufen
- medizinische Fernbetreuung nach der Rückkehr
- Kommunikation mit den behandelnden Ärzten am Wohnort, sofern erforderlich
Was von der Behandlung zu erwarten ist
Potenzielle Ziele der Glioblastom-Immuntherapie umfassen:
- Stabilisierung der Erkrankung
- Verlangsamung der Krankheitsprogression
- Reduktion des Rezidivrisikos
- Erhalt neurologischer Funktionen und der Lebensqualität



